„Gegen Nazis protestieren ist gut, aber das kann man doch auch anders machen.“

„Sie gelten als Krawallmacher, Störenfriede, Chaoten. … Am Image der „Antifas“ sind ausnahmsweise nicht nur die Medien schuld, sondern vor allem sie selbst: Traditionell verschwenden sie kaum einen Gedanken daran, ihr Tun zu erklären. Wenn doch, benutzen sie unverständliche Floskeln und einen überheblichen Tonfall, der sie gleich noch eine Ecke unsympathischer macht. Die Antifa betreibt vermutlich die schlechteste Öffentlichkeitsarbeit dieses Planeten. …

Gäbe es den Widerstand nicht, hätten Rechtsextreme bald keine Hemmschwelle mehr, in der Öffentlichkeit zu agieren. Sie könnten ungestört Flugblätter verteilen: vor Supermärkten, vor Schulen, in Fußgängerzonen. Sie könnten Druck ausüben und anderen ihre Werte aufzwingen. …

„Gegen Nazis protestieren ist gut, aber das kann man doch auch anders machen.“ Dieser Satz kommt meist aus dem Mund von Leuten, die überhaupt nichts gegen Nazis unternehmen. …
Mich beruhigt es, in einer Stadt zu leben, die eine starke, aktive Antifa hat.“

Danke, liebe Antifa!
http://www.tagesspiegel.de/berlin/chaoten-oder-heilsbringer-danke-liebe-antifa/9382378.html

Unfortunately we are beginning badly!

„We are less than two genereations from the moment at which every human being will be connected to a network in which thoughts, dreams and actions will flow as nervous impulses in that network. … Ours are the last generation of human brains that will be formed without contact with the net. From here on out every human brain will be formed in direct connection with the network. We are describing now, now, all of us, now, … , in this generation, we will decide how this network is organized. Unfortunately we are beginning badly.“

Google-de-goo Teil 2 – PIM, IM und der Android Tablet

Auch am Tablet ist die Klebrigkeit von Google außergewöhnlich. Gleichzeitig steht aber eine bemerkenswerte Auswahl an freien und offenen Alternativen bereit:

PIM-Synchronisation – Kontakte, Kalender, Aufgaben

Eines ist für mich inzwischen undenkbar: Meine Kalender und Kontakte nicht mehr online zu haben sodass sich alle Geräte over-the-air synchronisieren. Praktisch wenn der ganze Schmafu bei Google liegt, ungut allerdings, welche Abhängigkeit sich daraus ergibt.

Dankenswerterweise haben wir inzwischen aber eine Auswahl an FLOSS PIM-Servern/Plattformen zu unserer freien Verfügung: vom minimalistischen Baikal über Radicale und DAViCal bishin zu komplexen Web-Apps wie OwnCloud, SOGo oder eGroupware.

Am Desktop ist die Thunderbird-Erweiterung Lightning das Kalender- und Aufgaben-Anzeigemittel der Wahl, Kontakte synchronisiert der SOGo Connector zuverlässig wie unspektakulär.

Am Android-Gerät (ab Version 4.0), das zu entgoogeln ja eine besondere Freude ist, gibts einen derzeit höchst aktiv entwickelten Sync-Adapter namens DAVdroid um Kontakte und Kalender in allen Varianten zuverlässig aufs mobile Gerät zu bringen. Demnächst werden auch die Aufgaben der Kalender in der App Mirakel zur Verfügung stehen (derzeit ist noch eine Spezialversion von DAVdroid von Nöten).

Somit sind Google Kalender, Kontakte, Keep und Tasks ohne Komfortverlust und mit nahezu identischer Funktionalität ersetzt!

Kommunikation – Text, Sprache und Video

Die Zeiten elendiger ICQ Nummern sind gottlob vorbei, leider aber für immer ins Hirn gebrannt bei allen die alt genug sind. Das offene Protokoll XMPP hat sich mit Jabber, Google Talk und Facebook Chat durchgesetzt. Am besten gleich auf Jabber.at ein Konto eröffnen und mit Facebookern und Googlern in Kontakt Treten ohne die eigene Seele zu verkaufen.

Am Mobilen Gerät bietet sie die OTR-fähige offene App ChatSecure (Android, iOS) (GibberBot für die alten Hasen) an. Damit werden deine Freiheiten sichergestellt!
Am Desktop sind Pidgin und Jitsi zwei gängige Apps, neben vielen anderen.
Kontalk ist eine WhatsApp Alternative mit verteilten Servern und gehashten User-IDs (d.h. eure Telefonnummern werden nicht an irgend eine dubiose Firma geschickt!)

Skype ist zwar ganz Hübsch, aber weder frei, offen noch sicher. Abhilfe schafft das Open Source Telephony Network (OSTEL) wofür man auf ostel.co einen Zugang bekommen kann. Apps die verschlüsselte Telefonate auf allen Plattformen ermöglichen stehen zur Verfügung!

Somit können wir Facebook Chat/Messenger, Google Hangout und Skype kübeln, und wenn unser Videobild, zb aus einer Südamerikanischen Botschaft zu einer Hackerkonferenz, mal stocken sollte, dann wissen wir wenigstens warum!
NB: Mail haben wir schon im August gekübelt, oder zumindest den Grundstein dafür gelegt. Die offene Android App K-9 Mail soll hier aber nicht unerwähnt bleiben, gebt euch nicht mit weniger Freiheit zufrieden!

Für feinere Feinstheiten der sicheren mobilen Kommunikation darf ich euch überhaupt, soferne noch nicht aufgefallen, The Guardian Project ans Herz legen.

Apps, Apps, Apps!

Ein Smartes Gerätchen ohne Apps, das geht freilich garnicht. Und weil auch der kommerzielle Store nicht zu wichtig sein soll, darf F-Droid auf keinem Android Gerät fehlen! Die oben genannten Apps sind dort zu finden, und werden auch darüber aktuell gehalten ohne gleich die innersten Geheimnisse nach USA zu verkaufen.

Meine Empfehlungen, neben den oben genannten:

  • AntennaPod – Podcatcher (mit gpodder.net)
  • APG – encrypt E-Mail and files (OpenPGP)
  • Apollo – Music Player statt Google Music
  • ConnectBot – SSH und Shell Client
  • DashClock Widget – Extensible (lock) screen widget
  • DocumentViewer – eBook-Reader für PDFs&Co(mics)
  • DuckDuckGo – statt Google Now beim „hinaufwischen“
  • FBReader – epub eBook reader (+OPDS Plugin für gutenberg.org!)
  • Firefox
  • Ghost Commander – Dual panel file manager
  • Quickdroid – schnell auf Inhalte zugreifen (Gerät durchsuchen)
  • ScummVM – SCUMMVM O-M-G!!!
  • Simple Last.fm Scrobbler – auch für Libre.fm!
  • TurboEditor – Text Editor
  • Twidere – Twitter Client
  • WordPress – Blogs Verwalten
  • Nicht im F-Droid: Keepass2AndroidKeepass Passwortmanager mit Mehrwert 🙂

Google-de-goo Teil 1 – Mail

Google ist ziemlich klebrig. Wenn man einmal mit GMail, Contacts und Calendar angefangen hat, kommt man fast nicht mehr davon weg. Nicht weils so inhärent toll wäre sonder vor Allem weil das user-interface klasse ist.

Deswegen ein Vorschlag wie der Ausstieg aussehen kann:

First things first. Als erstes muss man vom gnadenlos guten Webinterface weg. Dazu braucht man nicht gleich eine neue Mailbox. Fürs erste reichts mal eine Möglichkeit zu finden Mails genauso gut zu Bearbeiten wie es das Gmail Webinterface ermöglicht. Keine leichte Aufgabe, aber es geht.

Einfach mal Tunderbird installieren, aber bitte die Beta (wir wollen keine halben Sachen machen und die komplette Gmail Box zwecks indizierung lokal ablegen. Und da ist die aktuelle Beta einfach performanter als die Version 17 die derzeit die stabile ist.). Der Assistent fragt eh alles ab und stellt fast alles korrekt ein. Nur leider werden die IMAP-Ordner nicht aktualisiert, besonders bitter, wenn man serverseitig ein umfangreiches Regelwerk zum Vorsortieren der Nachrichten implementiert hat. Deswegen muss man  in „Options->Advanced->Config Editor“ den Eintrag „mail.server.default.check_all_folders_for_new“ auf „true“ setzen. *facepalm*.

Und jetzt kommt der Knüller: Das Plugin „Thunderbird Conversations“ bringt die geniale GMail Konverstionsansicht in den Thunderbird und macht ihn in Kombination mit der 3-Spalten-Ansicht sogar überlegen („Options->Layout->Vertical View“) wenn man die mittlere Spalte etwas ausmistet.

Die Kontakte werden auf elegante Weise vom „Google Contacts“ Plugin synchronisiert.

Den Ordner „All Mail“ wollt ihr unter Umständen nicht Synchronisieren, da wenn ihr so wie ich, alle wichtigen Mails in Ordnern habt führt das zu unmengen doppelt zu speichernden Nachtrichten. Abbestellung mit Rechtsclick auf das Konto und „Subscribe…“. Deswegen besser einen neuen Ordner „Archiv“ anlegen („Options->Account Settings->Copies & Folders“).
Gegebenenfalls müssen nun alle Nachrichten ohne GMail-Label das Label „Archiv“ bekommen um in diesem Ordner aufzuscheinen (Suche nach „-has:userlabels -in:sent -in:chat -in:draft -in:inbox“).
Was wirklich nicht in den Thunderbird soll bekommt einfach automatisch ein Label „Black Hole“ und die Sache ist erledigt.

Weitere Feinheiten:

  • Das Senden verzögert sich unnötig wenn Thunderbird die Mail nochmal extra hochladen muss (das ist bei GMail nicht nötig), deswegen ausschalten unter „Options->Account Settings->Copies & Folders“.
  • Standardmäßig antwortet man in Thunderbird unter dem Nachrichtenzitat, dies kann einfach in „Options->Account Settings->Composition & Addressing“ umgestellt werden.
  • Wenn Nachrichten ohne korrekte „In-Reply-To:“ ID als Thread (vgl. What is Threading?) angezeigt werden sollen, muss „mail.strict_threading“ noch auf „false“ gesetzt werden.

So „einfach“ ist der erste Schritt weg von Google getan 😉 Fehlt nur noch ein gleich guter Mailserver.

PS: Bei der Gelegenheit gleich OpenPGP und Enigmail anschauen!

The Future of Education – powered by Samsung

“Wie soll das Klassenzimmer der Zukunft aussehen, wie soll es funktionieren und wie stellen sich Schüler den Unterricht vor?” Das frage ich mich auch schon lange. Das Spektrum der Lösungen soll nun von zwei relativ neuen Akteuren gefunden werden. “Futurezone.at und Samsung starten den Ideenwettbewerb „Samsung Smart School“, der vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur unterstützt wird.”

Der Technologiekonzern lanciert so wie es aussieht eine internationale Kampagne (Leaflet) um seine Produkte in die Klassenzimmer der Welt zu bekommen, und in Österreich springen Medien wie Ministerien, im Angesichte der allgemeinen Ratlosigkeit bei der Bewältigung der vielfältigen Probleme im Bildungssystem, mit größter Freude auf.

Wie soll die Schule der Zukunft nun also aussehen?
“Österreichweit sind alle Volksschulen und alle Mittel- und Oberstufen eingeladen, sich Gedanken über die Schule der Zukunft, über den Unterricht der Zukunft, über mobile Lösungen und den interaktiven Unterricht und selbstbestimmtes Lernen außerhalb des Unterrichts zu machen.” Selbstbestimmtes Lernen soll aber außerhalb des Unterrichts stattfinden? Genau dort hat selbstbestimmtes Lernen schon immer stattgefunden und wird durch neue Technologieen nicht zwangsläufig verbessert.

Als Erzfeind wurde vollkommen richtig der Frontalunterricht identifiziert, ob neue Lernkonzepte ihren weg in den Schulalltag finden werden bleibt aber offen.  Samsung schreitet nun gottlob als weiser Ritter heran, um uns von der kinderverblödenden Kreidetafel zu erlösen. Dies erfolgt umsatzsteigernd durch Tablets, Pads, Slates oder PCs, in Kooperation mit Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur sowie futurezone.at. 

Samsung Smart School

SAMSUNG Partners With Memphis City Schools to Launch SAMSUNG Smart School Solution Pilot With Galaxy Note 10.1

Eine kleine Auswahl was uns in diesem Sinne erwartet:
(Quellen: 1, 2)

  • “….es [ist] nun möglich, dem Lehrer … auf privatem Wege Fragen zu stellen”
  • “…eine integrierte Lernplattform, mit der Lehrer und Schüler in einer interaktiven Umgebung arbeiten können.”
  • “das Wort … von einem Native Speaker vorgelesen …”

Bleibt die Frage: Welche heute im Klassenzimmer abwesende Technologie hindert unsere Gesellschaft daran diese Erfahrungen den Schülern zu bieten?

Aber welche Umgebung soll nun laut Samsung den Schulalltag zum Besseren wenden?
Die Bildergalerie gibt Aufschluss darüber: Das Ersetzen von grünen Tafeln, Kreiden und Schulbüchern durch Smartboards und Tablets soll die Lernerfolge unserer SchülerInnen verbessern (oder doch ein neues Geschäftsfeld erschließen?).

Als “integrierte Lernplattform” kommt mir das, mit einigem guten Willen, bekannt vor. Im Montessori Kinderhaus wird so gelernt, jedes Kind mit einem Material, weches bis ins kleinste Detail wohlüberlegt konstruiert vom absorbierenden Geist verinnerlicht wird. Die perfekte vorbereitete Umgebung. Wenn nicht der Tablet die Repräsentanz aller Lehrmaterialen wäre, als denkbar ungeeignetste Möglichkeit Inhalte an Kindergartenkinder zu Vermitteln.

Leider ist so eine Umgebung für Kinder im Volksschulalter alles andere als geeignet. Montessori hat aus gutem Grund für jede Altersgruppe ein neues, aber auf ihren Erkenntnissen beruhendes Konzept erarbeitet. Und dass jedes Kind alleine vorm Lehrmaterial sitzt gehört für dieses Alter jedenfalls nicht dazu. Ganz im Gegenteil, die Kinder erarbeiten ihr wissen selbstständig, in Kleinstgruppen und nutzen dafür vielfältige Materialien und Quellen.

Samsungs Vision von der Schule der Zukunft aber bleibt eine Erweiterung des Bildungssystems wie wir es in den letzten Jahrzehnten beobachtet haben. Die Schule der Zukunft erfordert nämlich keine neuen Technologien sondern einen grundlegend neuen Zugang zu der Art und Weise wie Bildung vermittelt wird. Und warum dieser gerade von einem Technologiekonzern in die Welt gebracht werden soll muss zumindest ausgiebig hinterfragt werden.

Eine andere Antwort liefert Stephen Hughes, der als Kinderneuropsychologe vielleicht ein kleinwenig qualifizierter ist, sich zu diesem Thema zu Äußern.

Building Better Brains: The Neurological Case for Montessori Education from Steve Hughes on Vimeo.

Eine Übersicht wie Technologie den Unterricht verbessern kann hat Mark Powell, Montessori-Lehrer, zusammengestellt, denn diese gehören sehr wohl, sinnvoll eingesetzt, zur Grundausstattung in der vorbereiteten Umgebung für Sechs- bis Zwölfjährige.

Einen schnellen und für alle (Beteiligten) dringend empfehlenswerten Einstieg in das Thema Bildung(ssysteme) bietet Frank Smiths „The Book of Learning and Forgetting“.

MOBILE FOOD?! Auf dem Weg zu mehr Ernährungssicherheit

Heute hat das Forum Umweltbildung zu einer spannenden Diskussion eingeladen. Martina Kaller-Dietrich (Buchautorin), Peter Laßnig (Gärtnerhof Ochsenherz) und Othmar Holzinger (Naturkost St. Josef) haben mit dem Publikum über die Mobilität von Lebensmitteln, das System unserer Nahrungsversorgung und die Zukunft der Ernährung gesprochen. Dies war zwar wenig kontroversiell (wo waren die Vertreter von Lidl &Co?), lieferte aber schöne Denkanstöße.

Martina Kaller-Dietrich hat zuerst einen Abriss über die Geschichte der Mobilität der Lebensmittel gegebn. Früher waren vor allem die Samen der Pflanzen mobil, was dazu geführt hat, dass Mais, verschiedene Bohnen oder die Tomate aus den Amerikas nach Europa gekommen sind. Im gegenzug haben die Europäer die auf den Schiffen mitgeführten Tiere dort frei gelassen, wo diese sehr schnell verwilderten. Ab den 1920er Jahren hat dann die Industrialisierung der Lebensmittelproduktion, angetrieben durch die Fleischindustrie, so richtig abgehoben. Den Menschen wurde der tägliche Fleischkonsum (und Zucker) versprochen, damit sie im Lichte der Industrialisierung von ihrer landwirtschaftlichen Arbeit in die Fabrikhallen wechselten. Dieser neue Bedarf wurde von Anfang an auch durch Fleisch aus Amerika gedeckt. Als man begann die Tiere mit Menschenfutter (z.B. Mais) zu versorgen wandelte sich die Viehhaltung zur industriellen Produktion. Besonders die südamerikanischen Staaten konnten mit Innovationen wie Kühlschiffen punkten. In Nordamerika wurde die Industrialisierung in Chicago auf die Spitze getrieben. Um die massen an Rindern verarbeiten zu können wurde neben dem unnatürlichen Futter auch das Fließband erfunden. So konnten die Tiere schnell zum Schlachter gelangen, und die Fleischmassen abtransportiert werden.

Diese neuartige mobilität des Nahrungsmittels Fleisch hat dazu geführt, dass auch neue Verpackungsformen entstanden sind. Die Palette reicht von der eingedickten Rindersuppe (“Maggi”) bis hin zum Frankfurter Würstchen, dem Vienna Beef.
Gemeinsam mit der systematischen Industrialisierung aller Lebensbereiche hat der durch die Fleischindustrie initiierte Trend der Vorverarbeitung, Verpackung und Haltbarmacheung von Lebensmitteln nicht nur lange Transportwege sondern auch den modernen Supermarkt ermöglicht. Diese allgegenwärtige einfache Verfügbarkeit abgepackter Nahrung führt bis heute dazu, dass nicht nur das Kochen verlernt wird, sondern auch die Möglichkeiten der althergebrachten Lagerung von Lebensmitteln einfach nicht mehr zur Verfügung stehen. Wo findet man in unseren Städten noch einen Erdkeller der das Einlagern von Kartoffeln, Äpfeln oder Rüben ermöglichen könnte?

Wie nun diesem System entkommen? Der Wiener Biomarkt-Pionier Othmar Holzinger versucht dies seit 1988 indem er einen Naturkost-Laden mit angeschlossenem Restaurant betreibt. Dabei spielte der persönliche Kontakt zu den Produzenten eine große Rolle. Die Auswahl an Gemüse war in den ersten Jahren vergleichsweise mager, die Qualität aber immer ausgezeichnet. Inzwischen ist aber auch der Bio-Lebensmittel-Markt industrialisiert und viele Produkte kommen vom Großhändler, weswegen schon seit zwei Jahren überlegt wird, wie man wieder zurück zu den Wurzeln kommen kann. Die vielbeschworene Konsumentendemokratie ist dabei nicht der Weisheit letzter Schluss. Im Gegensatz zu großen Lebensmittelketten nimmt sich Holzinger die Freiheit heraus, nicht jedes Gemüse das ganze Jahr über zu Verkaufen. Auch Händler haben die Pflicht ihre Kunden zu erziehen.

Noch einen Schritt weiter geht Peter Laßnig vom Gärtnerhof Ochsenherz. Seit 2011 folgt der von ihm gegründete Betrieb einer Communty Supported Agriculture Philosophie. Dies bedeutet in dem Fall, dass interessierte Menschen nicht für das bezogene Gemüse eine Geldbetrag bezahlen, sondern durch monatlich Beiträge den laufenden Betrieb der Landwirtschaft finanzieren. Die so vollzogene Entkopplung der Gemüseproduktion von einer finanziellen Bewertung gibt den Gärtnern neue Freiheiten. Bei der Auswahl der angebauten Sorten ist es völlig irrelevant was den höchsten Marktwert erzielt, einzig die Versorgung der teilnehmenden Menschen ist entscheidend. Derzeit sind das mehr als 200 die im Großraum Wien wöchentlich mit Gemüse beliefert werden.

In der folgenden Diskussion wurde es einmal mehr deutlich, dass die in der westlichen Welt verbreiteten Schulsysteme, mit ihrem Fokus auf dem Hernaziehen guter Industriearbeiter und Steuerzahler völlig überfordert sind, wenn es darum geht Kindern die Herkunft von Lebensmitteln näher zu bringen. Das sich immer schneller drehende Hamsterrad der Erwerbsarbeit in dem sich die Eltern befinden tut sein übriges indem das Fertigprodukt, vielleicht auch noch nebenbei in der Straßenbahn konsumiert, zur Standardmahlzeit wird. Dazu kommt noch der bemerkenswerte Einwand eines Vertreters des Lebensministeriums, dass nach lancierung einer Pro-Gemüse-Kampagne sofort die (Fleischlobby) AMA auf der Matte stand um dagegen zu intervenieren.

Um eine nachhaltige Änderung dieses Systems herbeizufühern, ist es Notwendig, nicht nur die Produktion von Gemüse gemeinschaftlich zu organisieren, sondern auch die Verteilung (Stichwort FoodCoop) und Weiterverarbeitung. Bleibt nur die Frage wann man sich in einer auf Lohnarbeit fokusierten Gesellschaft dafür Zeit nehmen kann. Besonders in Krisenzeiten ist aber ein erfreulicher Trend des Hinterfragens althergebrachter Strukturen zu beobachten, ganz besonders wenn es um so grundlegende Bedürfnisse wie Ernährung geht.

Die Würde des Schweins ist, äh, mir doch wurscht!

Bäurinnen für Kastenstand

Schnitzelverharmlosung

Bäuerinnen werben für die heimische Schweinehaltung Kastenstand

Liebe Bäurinnen, Spar, Rewe, „So schmeckt Niederösterreich“, EZG Streitdorf, Verband Österreichischer Schweineproduzenten und AMA!

Die Werbekampagne „Bäuerinnen werben für die heimische Schweinehaltung“ für den Kastenstand ist wirklich unerträglich! Wenn Sie wollen, das Fleisch aus Österreich etwas besonderes ist, sollten sie froh sein, dass Österreich beim Tierschutz eine Vorreiterolle einnehmen will.

Den teilnehmenden Organisationen teile ich mit, dass ich ihre Produkte so weit wie möglich meiden werde.

Hochachtungsvoll, Martin

Weiterlesen: Ein Schnitzerl für die SchweinezuchtKastenstand: der Horror jeder Zuchtsau

Zum Abschluss noch etwas Musik:
[gigya src=“http://listen.grooveshark.com/songWidget.swf“ width=“250″ height=“40″ flashvars=“hostname=cowbell.grooveshark.com&songIDs=24283914&style=metal&p=0″ wmode=“window“]
Haftungsausschluss: Jeder, der keine Lizenz hat das Lied zu hören, darf die Wiedergabe nicht starten 😛

Radhelmpflicht für Kinder in der StVO?

Liebe Verkehrsministerin Doris Bures, Sehr geehrter Prim. Univ. Prof. Dr. Harald Hertz,

Auch wenn Universitätsprofessoren Fakten aneinanderreihen gibt es deswegen noch lange keinen Zusammenhang. Auf der Internetseite des Verkehrsministeriums lese ich zur Radhelmpflicht für Kinder(!): „Unfallchirurg Prim. Univ. Prof. Dr. Harald Hertz: „Wenn ein Kind mit 25 km/h zu Sturz kommt, entspricht das einem Köpfler von 2,5 Metern – direkt auf Beton. Aus medizinischer Sicht, ist das Tragen von Helmen beim Radfahren, insbesondere bei Kindern, schon längst überfällig. …“

Ich kann nur Annehmen, dass die beteiligten Personen schon länger nicht mehr am Rad gesessen sind (Anm.: Harald Hertz ist kürzlich am Rad gesessen wie er mir schon bestätigte), denn eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 25km/h dürfte selbst für geübte Radler eher untypisch sein. Und bei einer derartigen Verallgemeinerung ist das Ausgehen von einer Maximalgeschwindigkeit wohl nicht ganz korrekt. Oder haben Sie Zahlen die Belegen, dass die Mehrzahl der Kinder-Radunfälle mit 25km/h Geschwindigkeit passieren?

Weiters lese ich: „Seit 2005 ist die Zahl der verletzten Kinder im Radverkehr von 3.000 auf 4.000 gestiegen, während die Zahl der verletzten Radfahrer insgesamt gleich geblieben ist.“

Ich kann nur annehmen, dass Sie, liebe Verkehrsministerin, oder einer ihrer Mitarbeiter bewusst lügen. Laut Statistik Austria wurden in den Jahren 2006 bis 2009 jeweils etwa 3500 Kinder insgesamt (!) im Straßenverkehr verletzt, 2009 waren es 3182. Hier sprechen wir von Kindern im Alter von 0-14(!) Jahren, ohne besondere Berücksichtigung des Radverkehrs.

Desweiteren ist zu lesen:

  • Jedes zweite verletzte Kind unter 10. Jahren erleidet eine Kopfverletzung.
  • Radhelmpflicht könnte 900 Kinder jährlich vor einer Kopfverletzung bewahren.

Die Analyse zum Thema habe ich mir Angesehen. Eine von Ihnen geforderte Radhelmpflicht im Rahmen der StVO gilt auch nur im Rahmen der StVO. Warum Sie zur Entscheidungsfindung eine Analyse heranziehen, die explizit Radfahrer „in und abseits des Straßenverkehrs“ berücksichtigt ist mir schleierhaft.

Die erste Aussage hat mit dem Straßenverkehr nicht viel zu tun, da alle Unfälle berücksichtigt wurden, auch jene abseits des Straßenverkehrs.

Die zweite Aussage kann ich nicht nachvollziehen. Ich entnehme der Analyse, dass 220 Kinder im Straßenverkehr Verletzt wurden und 38 einen Helm getragen haben. Alles weitere ist nicht belegte Spekulation, da der Straßenverkehr nicht gesondert behandelt wird. Wie genau die Zahl von 900 Bewahrten ermittelt wurde wird leider nicht erläutert (Sie dürfen mir das gerne Vorrechnen, mir ist es mit vertretbarem Aufwand nicht gelungen die Zahl nachzuvollziehen). Was genau die Radhelmpflicht für die Opfer des Straßenverkehrs bedeutet ist also unklar.

Die Zahlen belegen jedenfalls, dass die StVO der falsche Ansatzpunkt ist (220 Verkehrsunfälle von 3700 insgesamt). Mit einer Argumentation dieser Qualität könnte man problemlos auch eine Helmpflicht für Autofahrer fordern.

Ohne weitere Aspekte zu berücksichtigen (zb Schmerzengeld an ein unschuldig verletztes Kind ohne Helm bei einem Verkehrsunfall, Auswirkungen auf den Radfahranteil) frage ich mich, wozu ich überhaupt Steuern bezahle, wenn Ihre Behauptungen derart leicht zu widerlegen sind.

Liebe Blogbesucher, weitere Kommentare zum Thema findet ihr hier:

IGF: Stellungnahme zur StVO-Novelle: Bestürzend.Warnung vor der Kinder-Radhelmpflicht!

Argus: Kinderradhelm-Pflicht – Nutzen in der Statistik nicht nachweisbarARGUS zur StVO-Novelle: Ein Schritt vor, ein Schritt zurück…

TU Wien, Institut für Verkehrswissenschaften: Stellungnahme zur geplanten Helmpflicht für Kinder bis inkl. 10 Jahren im Rahmen des Begutachtungsentwurfes zur 23. StVONovelle.

ARGUS zur StVO-Novelle: Ein Schritt vor, ein Schritt zurück…

Sollen gewinnorientierte Firmen zu Spenden aufrufen?

Microsoft tuts, mehr oder weniger* (wie sich in der Diskussion herausstellt), auf facebook

„…sieht Microsoft es als Aufgabe an, auch Kunden und Partner um Unterstützung zu bitten“ + link zum Roten Kreuz.

Da ich dazu jetzt schon eine umfangreiche Antwort geschrieben habe die nicht mehr so ganz dazu passt, gibts jetzt wenigstens einen Blogeintrag:

Wenn ein gewinnorientierter Konzern sagt „Wir spenden X an Y“ denke ich mir vor allem „schön, besser als an eine Werbeagentur“
Werde ich aber zur Spende aufgerufen, frage ich mich als erstes „Aha, warum ausgerechnet für X Spenden und nicht für Y?“
Das sind 2 paar Schuhe meiner Meinung nach, da der Aufrufende im 2. Fall eine ganz andere Verantwortung übernimmt und ich mich dann fragen muss, ob er dazu in der Lage ist diese Verantwortung zu übernehmen.

Oder kann man davon ausgehen, dass die meisten Menschen derartige Empfehlungen hinterfragen und somit der Aufrufende ohnehin keine Verantwortung trägt? Wünschenswert wäre es jedenfalls.

Die alles entscheidende Frage ist aber, wäre es besser wenn Microsoft nicht zur Spende aufruft? Vermutlich nein, besser es gibt den Spendenaufruf als es gibt ihn nicht.

Passiert der Aufruf weil alle Welt jetzt von einer bestimmten Katastrophe spricht? Gibt es nicht ähnliche schlimme Katastrophen von denen niemand spricht?
Sollte dieser Spendenaufruf also Institutionalsiert werden? Zb „Weltkonzern spendet jeden Monat Betrag X aus genau definierten Gründen an Organisation Y und empfiehlt allen dies auch zu tun (aus genannten Gründen)“

Ich weiß, dazu gäbs jetzt einen Haufen zu recherchieren um alles in Relation setzen zu können, aber dazu habe ich jetzt leider keine Zeit. Das ganze zeigt auch schön welche Verantwortung der Social Media Mensch trägt.

*Windows schreibt: „Ich kann euch versichern – das hier zu posten war jetzt meine persönliche, spontane Entscheidung, hinter der vieles Stand, vor allem meine eigene Betroffenheit, aber sicher nicht Kalkül.“