The Future of Education – powered by Samsung

“Wie soll das Klassenzimmer der Zukunft aussehen, wie soll es funktionieren und wie stellen sich Schüler den Unterricht vor?” Das frage ich mich auch schon lange. Das Spektrum der Lösungen soll nun von zwei relativ neuen Akteuren gefunden werden. “Futurezone.at und Samsung starten den Ideenwettbewerb „Samsung Smart School“, der vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur unterstützt wird.”

Der Technologiekonzern lanciert so wie es aussieht eine internationale Kampagne (Leaflet) um seine Produkte in die Klassenzimmer der Welt zu bekommen, und in Österreich springen Medien wie Ministerien, im Angesichte der allgemeinen Ratlosigkeit bei der Bewältigung der vielfältigen Probleme im Bildungssystem, mit größter Freude auf.

Wie soll die Schule der Zukunft nun also aussehen?
“Österreichweit sind alle Volksschulen und alle Mittel- und Oberstufen eingeladen, sich Gedanken über die Schule der Zukunft, über den Unterricht der Zukunft, über mobile Lösungen und den interaktiven Unterricht und selbstbestimmtes Lernen außerhalb des Unterrichts zu machen.” Selbstbestimmtes Lernen soll aber außerhalb des Unterrichts stattfinden? Genau dort hat selbstbestimmtes Lernen schon immer stattgefunden und wird durch neue Technologieen nicht zwangsläufig verbessert.

Als Erzfeind wurde vollkommen richtig der Frontalunterricht identifiziert, ob neue Lernkonzepte ihren weg in den Schulalltag finden werden bleibt aber offen.  Samsung schreitet nun gottlob als weiser Ritter heran, um uns von der kinderverblödenden Kreidetafel zu erlösen. Dies erfolgt umsatzsteigernd durch Tablets, Pads, Slates oder PCs, in Kooperation mit Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur sowie futurezone.at. 

Samsung Smart School

SAMSUNG Partners With Memphis City Schools to Launch SAMSUNG Smart School Solution Pilot With Galaxy Note 10.1

Eine kleine Auswahl was uns in diesem Sinne erwartet:
(Quellen: 1, 2)

  • “….es [ist] nun möglich, dem Lehrer … auf privatem Wege Fragen zu stellen”
  • “…eine integrierte Lernplattform, mit der Lehrer und Schüler in einer interaktiven Umgebung arbeiten können.”
  • “das Wort … von einem Native Speaker vorgelesen …”

Bleibt die Frage: Welche heute im Klassenzimmer abwesende Technologie hindert unsere Gesellschaft daran diese Erfahrungen den Schülern zu bieten?

Aber welche Umgebung soll nun laut Samsung den Schulalltag zum Besseren wenden?
Die Bildergalerie gibt Aufschluss darüber: Das Ersetzen von grünen Tafeln, Kreiden und Schulbüchern durch Smartboards und Tablets soll die Lernerfolge unserer SchülerInnen verbessern (oder doch ein neues Geschäftsfeld erschließen?).

Als “integrierte Lernplattform” kommt mir das, mit einigem guten Willen, bekannt vor. Im Montessori Kinderhaus wird so gelernt, jedes Kind mit einem Material, weches bis ins kleinste Detail wohlüberlegt konstruiert vom absorbierenden Geist verinnerlicht wird. Die perfekte vorbereitete Umgebung. Wenn nicht der Tablet die Repräsentanz aller Lehrmaterialen wäre, als denkbar ungeeignetste Möglichkeit Inhalte an Kindergartenkinder zu Vermitteln.

Leider ist so eine Umgebung für Kinder im Volksschulalter alles andere als geeignet. Montessori hat aus gutem Grund für jede Altersgruppe ein neues, aber auf ihren Erkenntnissen beruhendes Konzept erarbeitet. Und dass jedes Kind alleine vorm Lehrmaterial sitzt gehört für dieses Alter jedenfalls nicht dazu. Ganz im Gegenteil, die Kinder erarbeiten ihr wissen selbstständig, in Kleinstgruppen und nutzen dafür vielfältige Materialien und Quellen.

Samsungs Vision von der Schule der Zukunft aber bleibt eine Erweiterung des Bildungssystems wie wir es in den letzten Jahrzehnten beobachtet haben. Die Schule der Zukunft erfordert nämlich keine neuen Technologien sondern einen grundlegend neuen Zugang zu der Art und Weise wie Bildung vermittelt wird. Und warum dieser gerade von einem Technologiekonzern in die Welt gebracht werden soll muss zumindest ausgiebig hinterfragt werden.

Eine andere Antwort liefert Stephen Hughes, der als Kinderneuropsychologe vielleicht ein kleinwenig qualifizierter ist, sich zu diesem Thema zu Äußern.

Building Better Brains: The Neurological Case for Montessori Education from Steve Hughes on Vimeo.

Eine Übersicht wie Technologie den Unterricht verbessern kann hat Mark Powell, Montessori-Lehrer, zusammengestellt, denn diese gehören sehr wohl, sinnvoll eingesetzt, zur Grundausstattung in der vorbereiteten Umgebung für Sechs- bis Zwölfjährige.

Einen schnellen und für alle (Beteiligten) dringend empfehlenswerten Einstieg in das Thema Bildung(ssysteme) bietet Frank Smiths „The Book of Learning and Forgetting“.

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